Liebe Leserinnen und Leser!

Heute habe ich für euch mal zur Abwechslung mal einen Buchtipp. Dieser bezieht sich auf das Buch „Slime – Deutschland muss sterben“ von Daniel Ryser. Dieses Buch ist am 4. März 2013 erschienen und behandelt (wie könnte es bei diesem Buchtitel auch anders sein) die (Punk-) Band Slime (Wikipedia-Artikel).

Cover - Deutschland muss sterben

 

Zum Buch selbst:

Der Titel „Deutschland muss sterben“ nimmt Bezug auf eines der wohl bekanntesten Lieder der Band, das eben genau so heißt. Der Titel wurde wohl bewusst in Bezug auf dieses Lied gewählt, da es sowohl den Inhalt vieler Slime-Songs unter ein „Obermotto“ zusammenfasst und zugleich ein „Eyecatcher“ ist. Für den Betrachter stellt sich natürlich hier erst einmal die Frage, was es mit diesem Titel auf sich hat. Wer Slime kennt und/oder sich etwas mit der Band beschäftigt hat, weiß, wie es zu diesem markanten Text kam. In Hamburg steht nämlich ein Kriegerdenkmal, das 1936 dort errichtet wurde und die unsägliche Inschrift „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen“ trägt, die von dem Dichter und NSDAP-Mitglied Heinrich Lersch stammt. Die bekannte Lieszeile „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ ist also eine Umkehrung dieses Nazi-Spruchs und als Ablehnung der rechtsextremen Ideologie zu sehen. Bemühungen, jenes Lied (im Gegensatz zur Nazi-Inschrift) zu verbieten sind letztendlich durch das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2000 unterbunden worden. Das ist einer der Aspekte zu dieser Band, die in dem Buch behandelt werden. Hier kann man das Lied hören:

 

Aber natürlich hat das Buch noch viel mehr, als diese Kontroverse zu bieten. Es behandelt die gesamte Bandgeschichte, die manchmal sehr konfus erscheint, was nicht zuletzt den Abschweifungen des Autors geschuldet ist, der hier die gesamte Geschichte der Band darstellen wollte. Dazu gehören neben Slime auch die anderen (Band-) Projekte der Mitglieder, die überraschend vielzählig waren. Da diese aber notwendigerweise auch mit der Geschichte von Slime selbst verbunden ist, war es richtig und wichtig diese in einem Buch über Slime nicht außen vor zu lassen.

Auch andere Künstler (neben den Mitgliedern der Band selbst) kommen in diesem Buch zu Wort. So hat der Autor diverse Interviews mit Künstlern geführt, die mehr oder weniger in Zusammenhang mit Slime standen oder stehen. Mit dabei sind Campino von den Toten Hosen, Rodrigo González von den Ärzten und Rocko Schamoni. Diese Interviews belegen wieder einmal, wie eng verflochten doch die Bands der alternativen Musikszene – insbesondere Punkrock – sind.

Besonders der flüssige Schreibstil und die interessanten zeitgeschichtlichen Zusammenhänge tragen dazu bei, dass man das Buch (trotz der gut 260 Seiten reinen Inhalts) recht schnell durchgelesen hat und nach dem Lesen einiges mehr über die Band weiß sowie deren Songs und Entstehungsgeschichten, als man das zuvor als geneigter Slime-Hörer getan hat.

In Zeiten der „Gefahrenzonen“ in Hamburg sind einige Inhalte in diesem Buch aktueller denn je. Auch deshalb lohnt es sich gerade jetzt das Buch zu lesen. Wer sowieso gerne deutsche Punk-Musik hört und auf den Polit-Punk à la Slime steht, dürfte viel Freude an diesem Buch haben.

Zum Abschluss meines kleinen Tipps hier noch das Lied „Schweineherbst“ aus dem gleichnamigen Album, eine Antwort auf die rechtsextremen Umtriebe im wiedervereinigten Deutschland: